Critique de la NeuviĂšme Symphonie de Franz Schubert

Hanslick Eduard, 1892

ï»żEduard Hanslick
Aus: FĂŒnf Jahre Musik
(Der „Modernen Oper“, VII. Teil.)
Allgemeiner Verein fĂŒr Deutsche Literatur, 1895

Orchesterkonzerte.
1892.

Es war kein glĂŒcklicher Gedanke, nach einem sehr langen Violinkonzert (Nr. 3 von M. Bruch) die große C-dur Symphonie von Schubert als Schlußnummer anzusetzen. R. Schumann schwĂ€rme freilich fĂŒr ihre „himmlische LĂ€nge“. In Wahrheit kann alles an dieser Symphonie himmlisch heißen, nur gerade ihre LĂ€nge nicht. Es ist eine schĂ€dliche LĂ€nge, ein Hindernis fĂŒr die volle Wirkung dieser genialen Musik. Wer hĂ€tte es nicht an sich erfahren, wie das unvergleichliche GlĂŒcksgefĂŒhl das aus dem D-moll-Andante in uns einströmt, nach der Mitte des Satzes immer schwĂ€cher wird, um endlich einen ungeduldig den Schluß erwartenden Abspannung Platz zu machen. Diese köstlichsten Melodischen Gedanken verlieren am Ende durch die unersĂ€ttlichen Wiederholungen und AnstĂŒckelungen, denen doch die dramatische Energie und kontrapunktische Kunst Beethovens fehlt, ihre ursprĂŒngliche „himmlische“ Gewalt ĂŒber uns. Sehr begreiflich, daß heute jeder Dirigent sich scheut, an einem solchen Werke KĂŒrzungen vorzunehmen; aber gefehlt wĂ€re es nicht gewesen, wenn Schubert sie selbst vorgenommen hĂ€tte. In Voltaires Gedicht „der Tempel des Geschmacks“ finden wir den sehr sinnreichen Einfall, daß im innersten dieses Heiligtums die besten Schriftsteller selbst ihre Werke verbessern – hauptsĂ€chlich durch Streichen.

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