Critique de L'Arlésienne de Georges Bizet

Hanslick Eduard, 1895

ï»żEduard Hanslick

Aus: FĂŒnf Jahre Musik

(Der „Modernen Oper“, VII. Teil.)

Allgemeiner Verein fĂŒr Deutsche Literatur, 1895

Orchesterkonzerte.
1895

Bizets zweite Orchester-Suite „L‘ArlĂ©sienne“ ist, nach der bekannten ersten, eine etwas dĂŒrftige Nachlese aus seiner BĂŒhnenmusik zu Daudets Drama. Die fĂŒr die Theater-AuffĂŒhrung bestimmte Original-Partitur enthĂ€lt nicht weniger als 25 Nummern, worunter manches feine und reizvolle melodramatische StĂŒckchen. Wie viel Musik hat doch Bizet aus dieser ĂŒberaus einfachen provençalischen Dorfgeschichte gewußt! Daudets Schauspiel ist vielleicht das einzig existierende, in welchem die Hauptperson und Titelheldin, das verfĂŒhrerische MĂ€dchen aus Arles, gar nicht auf die BĂŒhne erscheint. Es wird nur immer von ihr gesprochen; unsichtbar, aus der Ferne bewegt sie die ganze Handlung und treibt den liebeskranken jungen FrĂ©dĂ©ri in den Tod. Wir ihre VorgĂ€ngerin, so besteht auch diese zweite Suite aus vier bunt einander gereihten StĂŒcken mĂ€ĂŸigen Umfangs: Musik die eng mit der BĂŒhne zusammenhĂ€ngt und mehr durch ihre provençalische Lokalfarbe als durch tieferen Gehalt wirkt. Überall jedoch erfreut uns Bizets OriginalitĂ€t und Feinheit in melodischer wie harmonischer Gestaltung, sowie sein spezielles Talent fĂŒr exotische Klangmischungen. „Tiens, on entend ronfler les tambourins!“, wie es in Daudets Schauspiel heißt


Traduction Imprimer Télécharger